Warum Passat? Und was verbirgt sich hinter diesem Namen? Der nachfolgende Text aus wikipedia (Foto: ebenfalls wikipedia, User „Polarstern“) beschreibt die Geschichte der Viermastbark Passat, nach der unsere Siedlung benannt ist

Viermastbark_Passat Klein
Im Jahre 1910 ging das Fünfmastvollschiff Preußen der Reederei F. Laeisz verloren. Wegen des Rückgangs der Frachtsegelschifffahrt und mangelnden Frachtangebots für Großsegler auf den Ausreisen nach Südamerika gab F. Laeisz bei der Hamburger Werft Blohm + Voss als Ersatz die beiden kleineren Viermastbarken Passat und Peking in Auftrag, deren Ladekapazitäten nur etwa halb so groß waren. Am 2. März 1911 wurde der Kiel der Passat gelegt. Für einen Preis von 680.000 Goldmark war das Schiff am 25. November 1911 seefertig. Am 24. Dezember 1911 lief die Passat unter Kapitän J. Wendler zu ihrer Jungfernfahrt von Hamburg um Kap Hoorn nach Chile aus. In der Folge wurde die Passat zwischen Europa und Lateinamerika eingesetzt. Sie zeigte dabei ausgezeichnete Segeleigenschaften. In ihrer goldenen Zeit erreichte die Passat unter 4.600 m² Segelfläche eine Geschwindigkeit von bis zu 18 Knoten und bot dadurch der zunehmenden Dampfschifffahrt eine ernstzunehmende Konkurrenz.
1914 blieb das Schiff in der Folge des Ersten Weltkriegs sieben Jahre im Hafen von Iquique in Chile und kehrte erst im Mai 1921 nach Europa (Marseille) zurück. Dort wurde die Passat als Kriegsentschädigung an Frankreich abgetreten. Da der französische Staat keinen Bedarf an dem Schiff hatte, wurde es zum Verkauf gestellt. Die Reederei Laeisz erwarb daraufhin im Dezember 1921 ihr Schiff zum Preis von 13.000 Britischen Pfund zurück und setzte es ab dem folgenden Jahr wieder im Salpeterhandel ein.
Als die Salpeterfahrten durch die großtechnische Herstellung (Haber-Bosch-Verfahren, Ostwald-Verfahren) von Salpeter (als Stickstoffdünger und Sprengstoff anstatt des Chilesalpeters) unrentabel wurden, verkaufte F. Laeisz die Passat 1932 an den finnischen Reeder Gustaf Erikson. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde das Schiff auf sieben Fahrten nach Australien eingesetzt. 1934, 1937 und 1938 gewann sie dabei die Weizenregatta, ein inoffizielles, aber sehr prestigeträchtiges Wettrennen der frachtfahrenden Großsegler von Europa nach Australien und, mit einer Weizenladung, über Kap Hoorn zurück nach Europa.

Vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis 1959
1939 ging das Schiff auf der Reede seines Heimathafens vor Anker und wurde 1944 nach Stockholm geschleppt und dort als Getreidespeicher eingesetzt. Nach 1947 unternahm die Passat noch eine letzte Fahrt unter finnischer Flagge. Dann starb Gustaf Erikson, und seine letzten drei Windjammer wurden verkauft. Die Passat, ebenso wie die Pamir, wurden als Lagerraum an die britische Regierung verchartert.
Als die Charter 1951 ablief, wurden die beiden Schiffe an belgische Abwracker verkauft. Eine Interessengemeinschaft um Kapitän Helmut Grubbe und den Lübecker Reeder Heinz Schliewen rettete die beiden Schiffe und überführte sie nach Kiel, das sie am 25. September 1951 erreichten. In der Folge wurden die Schiffe bei den Howaldtswerken in Kiel zu frachtfahrenden Segelschulschiffen umgebaut. Um in Zukunft Schlepperkosten zu sparen, erhielt die Passat einen Hilfsmotor – einen früheren U-Boot-Diesel von 1000 PS. Die Viermastbarken wurden in den nächsten Jahren wieder in Betrieb genommen. Auf den Fahrten wurden nun zusätzlich Berufsschiffer seemännisch ausgebildet. Unter Kapitän Herrmann Heuer brach die Passat am 12. Februar 1952 zu ihrer ersten Fahrt als deutsches Segelschulschiff auf und fuhr mit 54 Kadetten an Bord von Brake nach Südamerika. Im Dezember 1952 ging es unter Kapitän Günther von der Ostküste Südamerikas nach Aarhus (Dänemark). Doch es kam erneut zu Finanzierungsschwierigkeiten. Im Februar 1953 musste die Reederei Schliewen Konkurs anmelden, die Passat wurde nach Travemünde überführt.
Im Dezember 1954 wurde die Passat von der „Stiftung Pamir und Passat“ übernommen, die von einem Konsortium von 40 deutschen Reedern gegründet worden war. Unter der Kontorflagge von Zerssen & Co. wurde die Passat wieder zwischen Europa und Südamerika (Argentinien und Uruguay) eingesetzt.
Wenige Wochen nach dem Untergang der Pamir 1957 überstand die Passat Anfang November auf der Heimreise von Buenos Aires (Argentinien) selbst nur knapp einen schweren Sturm: Südwestlich der Biscaya geriet sie in einen Orkan, den sie vier Tage lang abreiten musste. Dabei verrutschte ihre Gersteladung, und sie erhielt zunehmend starke Backbord-Schlagseite. Anders als auf der Pamir konnte auf der Passat aber unter anderem der Steuerbord-Tieftank geflutet werden (5. November 1957). Das Schiff behielt zwar weiterhin eine sehr gefährliche Schräglage und lief die letzten eineinhalb Tage unter Kentergefahr, konnte aber dem Untergang entgehen. Mit ca. 50–55° Schlagseite lief die Passat am 8. November 1957 in Lissabon als Nothafen ein. Nach Umladen der Gerste konnte die Passat aus eigener Kraft nach Hamburg weitersegeln. Dort wurde sie nach Löschen der Ladung ausgemustert und aufgelegt. Der Passat drohte erneut das Abwracken.

Seit 1959: Im Eigentum von Lübeck
1959 wurde die Passat für 315.000 DM von der Hansestadt Lübeck gekauft, in deren Eigentum sie bis heute geblieben ist. 1960 erhielt sie ihren heutigen Liegeplatz am Priwallufer in Travemünde, nahe der Mündung der Trave. Die Passat wurde zunächst als Schulstätte für die Schleswig-Holsteinische Seemannsschule und 1966 als Museum und internationale Begegnungsstätte in Betrieb genommen. In späteren Jahren diente das Schiff als Jugendherberge. Die Passat wurde komplett mit Toiletten, Waschräumen und Duschen ausgerüstet. Da die Passat nun festlag, wurde auch permanent Frischwasser (Trinkwasser) vom Land genutzt.
1978 wurde das Schiff als Beispiel deutscher Seefahrtsgeschichte unter Denkmalschutz gestellt. Ein Jahr später wurde von Mitgliedern des Lübecker Sportausschusses der Verein „Rettet die Passat e.V.“ gegründet, der seither für den Erhalt der Passat arbeitet.
1997 bis 1998 wurde die Passat für 7,2 Mio. DM einer Grundinstandsetzung unterzogen. Unter anderem wurden 5.000 der 24.000 Nietköpfe des Schiffes von außen nachgeschweißt, und rund 1000 Löcher in Blechen auf dem Schiff wurden repariert. Außerdem wurden die beiden Anker des Schiffes geborgen, die seit Jahren auf dem Grund der Trave lagen.
Seither steht die Passat wieder als Veranstaltungsort, Museumsschiff und im Sommer für Schulklassen als Jugendherberge zur Verfügung. Das Schiff bietet 106 Betten in 35 Zimmern und drei Gruppenräume. Es ist nach wie vor schwimmfähig, aber nicht mehr fahrtauglich – der mit Schweißarbeiten reparierte Stahlrumpf ist nicht mehr flexibel genug, um der Gewalt von Wellen auf der offenen See standzuhalten. Viele Lübecker und Besucher haben den Wunsch geäußert, das Schiff wieder in einen fahrttüchtigen Zustand zu versetzen und als Segelschiff einzusetzen.

Schiffsdaten
Schiffstyp: Viermast-Stahlbark
Schiffsklasse: Frachtsegler/Segelschulschiff
Stapellauf: 20. September 1911
Bauwerft: Blohm + Voss in Hamburg
Baukosten: 680.000 Goldmark
Ladung: 4.500 tons als Frachtssegler
Segelfläche: 4.000 m²